Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica Mannheim - 
Vorstand Peter Reichelt und Dietmar Schönherr

Die Stiftung für die Nicaragua Projekte "Casa de los tres Mundos" und "La Posolera"

Die Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica e. V. war eine 1985 gegründete deutsche Hilfsorganisation mit Sitz in Mannheim, die Entwicklungshilfe- und Kulturprojekte in Nicaragua unterstützte.[1] Die Stiftung entstand auf Initiative des Schauspielers Dietmar Schönherr, dessen Vorsitzender er war. 1994 mußte er als Vorstand der Stiftung zurücktreten und die Stiftung verlassen als bekannt wurde, daß er Spendengelder der Stiftung veruntreut hatte. Das Amtsgericht Mannheim verurteilte Schönherr wegen Untreue (Deutschland) per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von DM 13.500 auf Bewährung (Deutschland). Der Strafbefehl wurde am 11. Februar 1997 rechtskräftig. Bis zur Auflösung der Stiftung in 2000 war der Kulturmanager Peter Reichelt deren Geschäftsführer und Vorstand.

Geschichte

Die Stiftung wurde am 6. Januar 1986 gegründet und am 20. Mai 1987 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Mannheim mit der VR Nummer 1467 eingetragen und im Jahr 2000 aufgelöst.[2]Initiator und Mitgründer war der österreichische Schauspieler und Fernsehmoderator Dietmar Schönherr, der sich seit Mitte der 1980er Jahre für Entwicklungshilfeprojekte in Nicaragua engagierte.[3] Zeitgenössische Presseberichte aus dem Jahr 1986 dokumentieren die Tätigkeit der Stiftung im Zusammenhang mit Projekten in Bürgerkriegsregionen Nicaraguas. So berichteten mehrere deutsche Tageszeitungen in diesen Jahren über ein von der Stiftung unterstütztes Dorfprojekt in La Posolera im Norden Nicaraguas.[4]

Tätigkeit

Die Stiftung unterstützte zwischen 1985 und 2000 insbesondere Projekte in der ländlichen Region Matagalpa und in Granada. Im Mittelpunkt standen Maßnahmen zur Förderung landwirtschaftlicher Kooperativen sowie der Aufbau grundlegender Infrastruktur in Sebaco und La Posolera.

Zeitgenössische Berichte beschreiben unter anderem den Aufbau von Siedlungsstrukturen und die Unterstützung lokaler Produktionsgemeinschaften.[5]

Die Stiftung organisierte im Juni und Juli 1986 die Deutschland-Tour von Dietmar Schönherr unter dem Slogan „Nicaragua Mi Amor – Dietmar Schönherr – Bilder & Berichte: Eine Dia-Reise durch das neue Nicaragua“, die am 2. Juni 1986 im Capitol (Mannheim) ihre Premiere feierte. Schönherr stellte während der Tour die Hilfsprojekte der Stiftung vor und warb um Spenden.

Weitere Presseberichte aus den späten 1980er Jahren thematisieren die Förderung kultureller und sozialer Projekte, darunter ab 1987 Initiativen zur Renovierung und Revitalisierung der späteren kulturellen Begegnungsstätte „Haus der drei Welten“ (Casa de los Tres Mundos) in Granada. Das Haus wurde im Dezember 1991 eröffnet.

Ergänzend berichteten Tages- und Wochenzeitungen und ARD-TV-Dokumentationen über das Engagement in Nicaragua. Die Aktivitäten der Stiftung wurden 1987 auch in der Fernsehdokumentation Jeder Schritt, den wir tun, hinterlässt eine Spur (WDR) porträtiert, in der der Aufbau des Kulturzentrums Casa de los Tres Mundos in Granada gezeigt wurde und u. a. Musiker wie Wolfgang Niedecken und seine Band Complizen im Rahmen des ersten Buchfestivals Nicaraguas[6] auf Einladung der Schönherr-Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica in Managua und Granada im Juli 1987 auftraten.[7][8][9]

Einordnung

Die Stiftung ist Teil der westdeutschen und österreichischen Solidaritätsbewegung mit Nicaragua in den 1980er Jahren. In späteren journalistischen und biografischen Darstellungen wird sie als eine der von Dietmar Schönherr initiierten Organisationen genannt.[3][10] Medienberichte und biografische Veröffentlichungen bestätigen die Gründung der Stiftung.[11][12][13]

Literatur und Quellen

Zeitgenössische Presse- und Medienberichte 1985 bis 1994 - Auswahl

  • Der Spiegel, 29. Dezember 1985, Nr. 1/1986: Über Dietmar Schönherr und das Hilfsprojekt der Stiftung "Hilfe zur Selbsthilfe" in La Posolera/Nicaragua
  • WDR3/NDR3: 23. März 1986, Sterben zu Füssen der Brüder, eine TV-Dokumentation von Werner Penzel über das Projekt der Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe in La Posolera
  • Mannheimer Morgen, 15. April 1986: „Sieben Tote bei Contra-Überfall auf Dorf am 12. April 1986“
  • Bremer Morgenpost, 16. April 1986: „Dietmar Schönherrs Urwalddorf überfallen“
  • Düsseldorfer Express, 16. April 1986: „Schönherr im Kugelhagel“
  • Wiesbadener Kurier, 16. April 1986: „Schönherr im Trommelfeuer“
  • stern, Nr. 17, 17. April 1986: „Diese Woche: Terrorismus – Um 16.23 Uhr fiel der erste Schuss…“ auf das Dorf La Posolera, das durch die Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica durch Entwicklungshilfe unterstützt wird
  • Der Spiegel, 25. Mai 1986: "Brutale Aggression" - La Posolera wurde zerstört
  • Mannheimer Morgen, 5. Juni 1987: „Seine Liebe gehört Nicaragua – Dietmar Schönherr fördert Begegnungsstätte ‚Haus der drei Welten‘“
  • WDR: Jeder Schritt, den wir tun, hinterlässt eine Spur, TV-Dokumentation, September 1987
  • Pierrot – Das Monatsmagazin (hrsg. von Herman van Veen), März/April 1988: „Dietmar Schönherr in Nicaragua – Taten statt Worte“
  • Barricada, 15. März 1989: „Contaminación y deterioro en la ciudad de Granada“

Spätere Berichterstattung - Auswahl

  • Gala, Nr. 9, 23. Februar 1995: Stefan Picker: „Dietmar Schönherr – Der gute Mensch von Nicaragua“
  • Bild (Zeitung), 17. Februar 1996, "Dietmar Schönherr - Strafbefehl - Spenden-Gelder aufs Privatkonto"
  • News (Zeitschrift), 22. Februar 1996: "Helfer in Not - Dietmar Schönherr - Die Anklage..."
  • Facts, 29. Februar 1996: "Nicaragua Hilfe/Abgang mit einer Schlammschlacht"
  • Wiener (Zeitschrift), April 1996, "Dietmar Schönherrs Spendenaffäre - Schmutziges Geld"
  • TM3: Brot für die Seele, TV-Dokumentation, 26. Juni 1996
  • Deutschlandfunk, 18. Juli 2014: „Schauspieler, Moderator, Helfer“
  • ORF, 15. Januar 2012: „Menschenbilder: Dietmar Schönherr“
  • Frankfurter Rundschau: „Mit erhobener Stimme“, Online-Ausgabe
  • filmportal.de: „Dietmar Schönherr gestorben“
  • Tiroler Filmarchiv: „Biografie Dietmar Schönherr“

Biografische Literatur

  • Georg Seeßlen: Dietmar Schönherr. Von den phantastischen Abenteuern des Raumschiffes Orion zu Wünsch dir was. Reichelt und Brockmann, Mannheim 2012, ISBN 978-3-923801-60-2.

Primärquellen

  • Dietmar Schönherr: Nicaragua, mi amor – Tagebuch einer Reise und das Projekt Posolera, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 3. Auflage Juli 1986, ISBN 3-87294-275-1
  • Dietmar Schönherr: Casa de los tres Mundos: eine Kulturinnovation Granada-Nicaragua – Das Haus der drei Welten, Reichelt, Mannheim 1987, ISBN 3-923801-03-3.
  • Dietmar Schönherr: Kinder im Feuer – Nicaragua 1988, Reichelt, Mannheim 1988, ISBN 3-923801-17-3.
  • Dietmar Schönherr: Nicaragua 1989, Reichelt, Mannheim 1989, ISBN 3-923801-18-1.

Einzelnachweise

  1. Dietmar Schönherr. In: Der Spiegel. 29. Dezember 1985, ISSN 2195-1349 (online [abgerufen am 29. März 2026]).
  2. Registergericht Mannheim - Eintragung: Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica - Eintragung beim Amtsgericht Mannheim. Abgerufen am 7. April 2026.
  3. a b Dietmar Schönherr – Schauspieler, Regisseur, Moderator & Schriftsteller. In: tiroler-filmarchiv.at. Abgerufen am 28. März 2026.
  4. Brutale Aggression. In: Der Spiegel. 25. Mai 1986, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. April 2026]).
  5. Franz Alt: »Streckenweise allzu romantisch«. In: Der Spiegel. 2. März 1986, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. März 2026]).
  6. Ralf Leonhard: Keine Zensur auf Nicaraguas Buchfestival. In: Die Tageszeitung: taz. 25. Juli 1987 (online [abgerufen am 29. März 2026]).
  7. Peter Reichelt (Upload): 1987 – "Jeder Schritt den wir tun hinterlässt eine Spur"/Nicaragua/Casa de los tres Mundos/Dietmar Schönherr/Wolfgang Niedecken. 18. März 2026, abgerufen am 28. März 2026.
  8. 1987 Complizen. In: matthiaskeul.de. Abgerufen am 28. März 2026.
  9. Wolfgang Niedecken: „Schreib Bapp drauf, aber lass das zweite P weg, das sieht scheiße aus“. In: welt.de. Abgerufen am 28. März 2026.
  10. Dietmar Schönherr gestorben. In: filmportal.de. Abgerufen am 28. März 2026.
  11. Tanja Kokoska: Mit erhobener Stimme. 16. Januar 2019, abgerufen am 28. März 2026.
  12. Dietmar Schönherr 1926–2014. Tatwort Solidarität. In: Unsere Welt. friedensbewegung.ch, abgerufen am 28. März 2026.
  13. Georg Simbeni: Dietmar Schönherr. In: deutsche-kinemathek.de. Abgerufen am 29. März 2026.

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